Fütterung der Milchziegen

Futter, Tier und Fütterungstechnik beeinflussen in hohem Masse den Futterverzehr der Ziegen.

Je besser diesen Faktoren Beachtung geschenkt wird, umso wirtschaftlicher kann die Ziegenfütterung gestaltet werden.

 

 

Bild rechts: Walliser Schwarzhalsziegen auf herbstlicher Alpweide

 

Walliser Schwarzhalsziegen


Zur Fütterung allgemein

Futter:
Ziegen sind in ihrem Verzehrsverhalten wählerisch. Sie bevorzugen feines, blattreiches Grundfutter. Grobstengeliges Gras oder Heu wird nicht nur in geringeren Mengen gefressen, sondern es sind auch bedeutend höhere Weide- oder Krippenrückstände in Kauf zu nehmen.

 

Fütterungstechnik:
Mit dem Verabreichen von nicht allzu grossen Futtermengen kann vermieden werden, dass das Futter den Geruch von Stallluft annimmt und dadurch verdirbt. Eine regelmässige, tägliche Krippenreinigung ist einem höheren Futterverzehr ebenso förderlich wie lange Fresszeiten.

Tier:
Das Gewicht, das Leistungsstadium und die Milchleistung haben grossen Einfluss auf die Verzehrmenge. Ein um 10 kg höheres Körpergewicht steigert den Verzehr um ca. 100 g Trockensubstanz. Den geringsten Futterverzehr weisen Ziegen zum Zeitpunkt der Geburt auf. Je höher die Milchleistung, umso höher ist die Futteraufnahme. Pro kg Mehrmilch kann mit einem Mehrverzehr von ca. 400 g Trockensubstanz gerechnet werden.

 

Leistungsgerechte Fütterung
Nährstoff- und Energiebedarf der Milchziege sind je nach Leistungsstadium sehr unterschiedlich. Gute Fruchtbarkeit und hohe Leistungen sind nur dann erreichbar, wenn die Fütterung den einzelnen Leistungsstadien angepasst wird.


Rationenbeispiele für Milchziegen (55 kg Lebendgewicht)

Grundfutterrationen

Dürrfutter
gute Qualität

Dürrfutter mittlere Qualität

Dürrfutter + Grasssilage

Dürrfutter + Maissilage oder Futterrüben

Grünfutter oder Weide

Leistungsstadium:

Ergänzungsfutter pro Milchziege und Tag

Startphase:
1.+2. Laktions-
monat
(5 kg Milch/Tag)

UFA 772
1200 - 1300 g

UFA 772
1600 - 1700 g

UFA 772
1200 -
1300 g

UFA 772
1000 -
1200 g

UFA 765
800 -
1000 g

Produktionsphase:
ab 3. Laktionsmonat bis
3. Trächtigkeitsmonat
(5 kg Milch/Tag)

UFA 765
500 -
600 g

UFA 772
900 -
1000 g

UFA 765
500 - 600 g

UFA 767
200 - 400 g

UFA 765
200 -
500 g

Reproduktions- und Vorbereitungsphase:
4.+5. Trächtigkeits-
monat

UFA 765
300 -
400 g

UFA 772
500 -
600 g

UFA 765
300 -
400 g

UFA 767
200 - 400 g

UFA 765
200 -
400 g

  • Kraftfuttermengen über 400 g pro Tag sind auf 2 bis 3 Gaben zu verteilen.
  • Zusätzlich sollen den Ziegen pro Tag 20 bis 40 g UFA 998 verabreicht werden.
  • Die aufgeführten Kraftfuttergaben sind Richtmengen. Sie sind den tatsächlichen Milchleistungen anzupassen. Pro kg Mehr- oder Mindermilch ist die Kraftfuttergabe um 0,4 kg anzuheben bzw. zu senken.

Startphase (1. + 2. Laktationsmonat)
Mit der einsetzenden Milchproduktion steigt der Nähr- und Mineralstoffbedarf stark an. Da der Futterverzehr langsamer ansteigt, ist die Ziege nicht in der Lage, den Nährstoffbedarf für eine hohe Milchleistung aus der Grund- und Kraftfutterration zu decken. Sie ist auf die Mobilisierung von Körperreserven angewiesen. Dies äussert sich in einer Körpergewichtsreduktion, die in den ersten beiden Laktationsmonaten bis zu 8 kg betragen kann.
Um einen Milchleistungsabfall in dieser Periode zu verhindern, ist es wichtig, dass den Ziegen nur qualitativ bestes Grundfutter und dem Leistungspotential angepasste Kraftfuttermengen verabreicht werden. Durch eine schritt-
weise Erhöhung des Ergänzungsfutters können Verdauungsstörungen vermieden werden.

 

Produktionsphase (3. Laktionsmonat bis 3. Trächtigkeitsmonat)
In dieser Phase erreicht die Ziege das maximale Verzehrsvermögen. Eine ausreichende, der Milchleistung angepasste Nährstoffversorgung stellt keine besonderen Probleme. Da diese Phase meist in die Grünfütterungsperiode fällt, ist vor allem auf eine ausreichende Energieversorgung zu achten. Ab etwa Mitte der Produktionsphase übersteigen die aufgenommenen Nährstoffe den Bedarf für Erhaltung und Produktion. Die Ziege ist nun in der Lage, die in der Startphase abgebauten Körperreserven wieder aufzubauen. Dabei gilt zu beachten, dass das Nährstoffangebot dem Nährzustand angepasst wird. Überfette Tiere zum Zeitpunkt des Ablammens erkranken öfters an Stoffwechselstörungen. Ebenso können Schwergeburten und ungenügende Milchleistung am Anfang der Laktation die Folgen sein.

Reproduktions- und Vorbereitungsphase
(4. und 5. Trächtigkeitsmonat)
Mit fortschreitender Trächtigkeitsdauer steigt der Nährstoffbedarf der Milchziegen wieder an, da ca. 85% des Geburtsgewichtes des Lammes in den beiden letzten Trächtigkeitsmonaten gebildet werden. Zudem wird, bedingt durch den wachsenden Fötus, das Futteraufnahmevermögen vermindert. Ab ca. 6 Wochen vor dem Ablammen soll die Nährstoffkonzentration mit einer angemessenen Kraftfuttergabe erhöht werden.
Je nach Rauhfutterqualität und der zu erwartenden Milchleistung soll die Kraftfuttermenge zum Zeitpunkt des Ablammens 300 bis 600 g betragen. Damit kann eine Energie-Untersuchung vermieden und der häufig auftretenden Trächtigkeitstoxikose (Störung des Kohlenhydratstoffwechsels) vorgebeugt werden.

  Vierlinge eine Seltenheit

Lebensfähige Vierlinge sind selten.

UFA AG 9.9.2010