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10 Liter in 30 Sekunden
Milch besteht aus rund 87 % Wasser. Daher haben laktierende Kühe im Verhältnis zu ihrem Körpergewicht einen höheren Bedarf an Wasser als andere Nutztiere. Die Milchkuh benötigt je nach Umgebungstemperatur während der Laktation 4 bis 5 Mal soviel Wasser wie sie Milch produziert. Je nach Wassergehalt der Ration, Umgebungstemperatur und Milchleistung nehmen Hochleistungskühe bis 180 Liter Wasser auf. Messungen der Versuchsanstalt Grub ergaben Wasseraufnahmen einzelner Kühe aus offenen Wasserquellen bis 25 Liter Wasser in der Minute! Ein durchschnittlicher Tränkebesuch dauerte 30 Sekunden. In dieser Zeit wurden im Schnitt 10 Liter Wasser aufgenommen.
Zeichen ungenügender Wasseraufnahme sind: Ungenügende TS- Aufnahme und ungenügende Milchleistung, fester Kot, Harnsaufen, gestörtes Tränkeverhalten.
Lieber offen
Kühe saufen am liebsten mit leicht abwärts gestrecktem Kopf. Dabei bevorzugen sie eine Wasserquelle, in die sie das Flotzmaul eintauchen können. Offene Wasserquellen kommen diesem Bedürfnis am nächsten. Trogtränken in 80 cm Höhe montiert, kommen dem natürlichen Tränkeverhalten der Kuh am besten entgegen. Die Tränken sind strategisch optimal zu plazieren, damit die Tiere während der Wasseraufnahme nicht durch andere, ranghöhere Tiere gestört oder sogar von der Wasseraufnahme abgehalten werden können. Bei engen Platzverhältnissen lohnt sich der Einbau von zwei auseinanderliegenden Tränkemöglichkeiten. Betriebe mit Auslauf stellen unschwer fest, dass die Kühe bei entsprechendem Angebot im Auslauf, regelmässig Wasser aufnehmen. Die wichtigste Wasserstelle für die Herde befindet sich nach dem Melkstand, denn die Kühe nehmen bis zu einem Drittel ihres täglichen Wasserbedarfes kurz nach dem Melken auf (siehe Grafik). Wenn die Tränkemöglichkeit in der Nähe des Futtertisches liegt, wird häufiger und wahrscheinlich auch mehr Wasser aufgenommen. Eine wichtige Rolle spielt die Beschaffenheit des Bodens im Tränkebereich. In Profi-Milchbetrieben werden zunehmend im Tränke- wie im Fressbereich gleitsichere, weiche Gummimatten ausgelegt, damit sich die Kühe möglichst lange und ohne Schmerzen in diesen aktiven Bereichen aufhalten.
Lieber nicht zu kalt
Lange wurde die Ansicht vertreten, dass das Anwärmen des Wassers bei Hochleistungskühen zu höheren Milchleistungen und zu besserer Tiergesundheit führt. Zahlreiche, zum Teil auch widersprüchliche Untersuchungsresultate wurden über diese Problematik schon publiziert. In einer neuen, allerdings noch nicht ganz abgeschlossenen Untersuchung in Grub (Deutschland) zeichnen sich zusammengefasst folgende Resultate ab:
- Warmes Wasser (16°C) wurde zwar von den Kühen bevorzugt, aber die tägliche Wassermenge war nicht höher als bei kaltem Wasser (4°C).
- Die Leistung und der Milchgehalt waren sogar leicht höher. Die etwas tieferen Temperaturen im Pansen scheinen die rohfaserabbauenden Bakterien und damit das Angebot an Essigsäure im Pansen eher zu fördern
- Die Wassertemperatur beeinflusste die TS-Aufnahme nicht.
- Wasser hat eine hohe Wärmekapazität und eignet sich daher sehr gut, um überschüssige Wärme abzuführen.
Aufgrund dieser Versuche besteht kein Grund, Tränkewasser für Milchkühe künstlich zu erwärmen. Normales Leitungswasser, mit Temperaturen zwischen 5-15°C, dürfte unter normalen Bedingungen genügen.
Am liebsten im Melkstand und Auslauf
Das Tränken im Melkstand findet in Deutschland und Holland immer mehr Anhänger. Oft genügt das Anbringen eines halbierten, grösseren PVC-Rohres im Kopfraum der Tiere. Durch diese einfache Tränkemöglichkeit sollen pro Tier und Tag bis zu 10 Liter Wasser zusätzlich aufgenommen werden. Damit konnten, allerdings noch ungesicherte Mehrleistungen erzielt werden. Der Versuch ist noch nicht abgeschlossen.
Besonders in Anbindeställen ist die Wasserversorgung oft ungenügend. Ältere Selbsttränken, mit einer Wasserabgabe von 2-3 Liter pro Minute führen zu sehr langen Tränkezeiten und damit zu ungenügender Wasseraufnahme. Offenes Wasser z.B. im Auslauf kann die Situation wesentlich verbessern. Neuere Tränkebecken sind bei normalen Druckverhältnissen für Wasserabgaben bis 18 Liter pro Minute konzipiert, sie sind damit wesentlich tierfreundlicher. Ältere Becken können eventuell durch Ausbohren des Wasserdurchflusses verbessert werden. Offene Tränkestellen werden aber in jedem Fall Selbsttränken vorgezogen.
Besondere Bedeutung kommt der Wasserversorgung auf der Weide zu. Trotz hohem Wassergehalt des Grünfutters wird zur Wärmeregulierung im Sommer viel Wasser zusätzlich benötigt. Aus Tränkefässern, kombiniert mit einem Wassertrog statt Selbsttränken wird mehr Wasser aufgenommen.
Fazit: In vielen Milchviehställen kann die Wasserversorgung der Tiere und damit die Leitungsfähigkeit der Tiere gesteigert werden. Tränkeeinrichtungen, die den Bedürfnissen der Tiere optimal entsprechen, führen zu höherem Futterverzehr und zu mehr Leistung. Neben der Sauberkeit ist der Standort und die Durchflussgeschwindigkeit entscheidend. Offene Wasserquellen werden bevorzugt. Die Wassertemperatur spielt eine untergeordnete Rolle.

Gegen 1/3 des täglichen Wasserbedarfes nehmen die Kühe unmittelbar nach dem Melken auf.
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Offene Wasserquellen sollten gut zu reinigen und für die Kühe bequem erreichbar sein.

In Anbindeställen verbessern Tränkebecken mit höherer Durchflussmenge die Wasseraufnahme
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